geschichten.

ungefiltert. verletzlich. echt.

Liebe Projektor Mama, lieber Projektor Papa

Dein Kind ist nicht krank. Sein Körper nimmt sich einfach eine Auszeit. Dein Kind ist Projektor und sieht ganz viel und nimmt die Welt um sich herum massiv mehr wahr. Ca. 20% der Bevölkerung nehmen die Welt so wahr wie dein Kind.

Es geht morgens zur Schule. Dort checkt es sofort wie es jedem einzelnen Kind geht. Also dass heisst, es sieht es nicht nur, es fühlt es auch. In der Klasse mit 14 anderen Kindern geht es weiter. 14 verschiedene Energietypen sorgen dafür, dass es sich extrem schwer konzentrieren kann und wenn dann nur mit einer gewaltigen Anstrengung. Bis zur ersten Pause ist sein Gehirn schon fast durchgebrannt.

Für dein Kind geht’s dann in die Pause. Die für den Generator super ist. Er kann sich auspowern und rumtoben. Der Projektor wird davon angesteckt und springt und tobt mit. Aber weil sein Sakral nicht definiert ist und er keinen eigenen Energieantrieb hat, macht er einfach so lange mit wie die Anderen. Im besten Falle sitzt er nach der Pause wieder in der Schule mit allen anderen. Und im schlechtesten Fall hat er sich beim Rumtoben eine Verletzung zugezogen, weil sein Körper stopp gesagt hat. So geht das Tag für Tag.

Der Projektor ist eine Hochleistungsmaschine. ABER! Maximum für 3-4 Stunden, dann muss Schluss sein und er braucht eine Pause. Nicht eine Pause, wie in der Schule. Nein, eine Pause ganz alleine in seinem Zimmer, in seiner eigenen Energie. Musik hören und einfach die Beine strecken und das tun, was er liebt. Hat er seine Batterien wieder aufgeladen, kann er raus kommen und ist sofort wieder präsent und da. Wenn ihm dann etwas Spass macht, kann es sein, dass er in 3 Stunden das schafft, wofür ein Generator Stunden braucht. Aber dafür braucht er Pausen, Pausen und nochmals Pausen.

Bei mir war es als Kind so, dass ich regelmässig Mittelohr- und Mandelentzündungen hatte. Mein Körper hat sich so die Pausen geholt. Jeder Körper hat da so seine eigenen Strategien. Leider weiss ich erst seit ein paar Jahren wie die Mechanik funktioniert. Mein Körper hat sich sogar noch ein Burnout zugelegt, damit ich endlich hinhöre.

Bei meinen beiden Projektor-Kindern versuche ich so wenig wie möglich neben der Schule abzumachen. Trotzdem kann es auch ihnen mal zu viel werden und dann dürfen sie auch mal einfach zu Hause bleiben. Rumliegen und einfach nichts tun, weil ich weiss, wenn sie erholt sind, holen sie den Schulstoff locker wieder auf.

Ich könnte noch ewig weiterschreiben, möchte dir aber nur noch was kurzes sehr wichtiges mitgeben:

Gib deinem Kind ehrliche Anerkennung für das was es ist, nicht für das was es macht.

Und wenn du mehr wissen möchtest, schreib mir einfach.

Von Herzen,
Claudia